Wunderland

Time to say goodbye – mein Abschied als Loreley

Die Abschiedsrede:

„,Sie glauben nicht, was mir wieder passiert ist!‘ Meine lieben Gäste, so habe ich am 22.05.2015 genau an diesem wunderschönen Fleckchen Erde gestanden und die ersten Worte als Ihre neue Loreley an Sie gerichtet. Und heute, drei Jahre später, endet meine Amtszeit und es ist an mir, die passenden Worte zu finden, die diese so prägende, unvergessliche, teils fordernde, aber stets erfüllende Zeit besiegeln.

Nun, was soll Ihnen mit auf den Weg geben bei dieser letzten, so wichtigen Gelegenheit?

Mir wurde einmal gesagt, dass eine gute Rede wenigstens zwei Zitate enthält. Ich glaube nicht, dass ich mich auch nur einmal daran gehalten habe, aber heute möchte ich auf Nummer sicher gehen und streue gleich einmal das erste Zitat ein: Bekanntermaßen soll man dann gehen, wenn es am schönsten ist. Wem auch immer man diese Worte in den Mund legen möchte – sie sind wahr.

Vom ersten Tag an, wenn ich mit dem goldenen Kamm in der Hand – zuerst im Welterbe-Grünen, dann im BUGA-Blauen Kleid – die ersten Worte an meine Gäste gerichtet habe, war ich in meiner Rolle angekommen. Als Loreley für meine Heimat zu werben – ich habe dieses Amt wahnsinnig geliebt und auch gelebt; diese Aufgabe hat mich wirklich erfüllt.

Aber alles im Leben hat seine Zeit, und so ist für mich nun der richtige Punkt gekommen, den Absprung zu schaffen und den Kamm gegen Gesetzbücher einzutauschen. Denn da das Amt der Loreley leider „nur“ ein Ehrenamt ist – ansonsten hättet ihr sicherlich schon meine Bewerbung auf dem Tisch liegen – werde ich mich nun auf mein Studium konzentrieren müssen.

Doch gerade weil mir der Abschied so schwerfällt, werde ich keine klassische Abschiedsrede über die schönsten Momente meiner Amtszeit halten. Ich nutze schnell die Gelegenheit, um meiner Familie, meinen unglaublich tollen Großeltern, meinen Eltern und meinen Freunden, die stets mit mir mitgefiebert haben, zu danken, bevor es dann so richtig losgeht: Begeben Sie sich mit mir auf eine Zeitreise – was extrem kluge Leute einmal eine Analepse genannt haben – und lassen Sie gemeinsam mit mir die „Greatest Hits“ von 1105 Tagen im Amt der Loreley revue passieren; denn wirklich – Sie glauben nicht, was mir alles passiert ist!

Kräftige Loreley

In den drei Jahren meiner Amtszeit ist viel Wasser den Rhein heruntergeflossen, ich bin älter und hoffentlich auch reifer geworden. Ich bin mit meinem Amt und mit meiner Aufgabe gewachsen. Vor allem aber habe ich mir schnell ein dickes Fell zugelegt:

Stellen Sie sich vor, wie viele Gelegenheiten es in drei Jahren als Loreley gibt, unvorteilhafte Fotos von Ihnen zu schießen – und dann auch noch zu veröffentlichen. Natürlich gibt es dann auch mal Phasen, in denen das Kleid etwas straffer sitzt – der Rheinländer ist schließlich ein echter Gourmet. Und treffen diese beiden Faktoren aufeinander, so ist es gut möglich, dass Sie auch einmal den Satz zu hören bekommen: „Sie sind aber eine kräftige Loreley!“

Nun ja, was soll ich sagen? Die Loreley entstammt der Romantik und ich habe mir eben alle Mühe gegeben, diesem neuzeitlichen Frauenbild  zu entsprechen – oder um ehrlich zu sein: Ich habe mein Amt einfach in jederlei Hinsicht genossen und die Bornicher Winzer kochen neben der Weinproduktion leider auch sehr gut.

Faux-pas Schifffahrt

Auch habe ich während meiner Zeit als Loreley vieles gelernt – allen voran meine Mails sorgfältig zu lesen. Aber lassen Sie mich diese kleine Anekdote von vorne beginnen:

Es war eine stressige, kalte Woche im Januar 2016. Kurz vor knapp mache ich mich fertig, wahrscheinlich wollten meine Haare einmal wieder nicht so wie ich. Flugs überflog ich noch einmal die Mail für den Termin: Eine Schifffahrt mit Japaner von der Loreley nach Rüdesheim. So viel blieb hängen.

Stolz wie Oskar, dass ich es noch pünktlich geschafft hatte, wartete ich gerade fünf Minuten zu früh bei Minusgraden am Schiffsanleger St. Goarshausen, jedoch war weit und breit kein Schiff in Sicht. Eine innere Unruhe machte sich breit – hatte ich die Mail in der Hektik richtig gelesen? Ein Anruf reicht, um meinen Puls in die Höhe zu treiben: Ein Schiff wartete auf mich, aber nicht etwa von der Loreley nach Rüdesheim – sondern genau andersherum.

Man einigt sich schnell, den Zustieg in Asmannshausen zu organisieren. Im Affenzahn jage ich mein armes Auto durch die Pforten des Rheingaus – sie glauben nicht, was man aus einem kleinen Opel Corsa so herausholen kann. Mein Schiff in Asmannshausen erwischt habe ich, und dank der Stadt Lorch besitze ich auch heute noch ein nettes, teures Erinnerungsfoto als Souvenir an diesen Abend! Übrigens: Auf dem Schiff warteten dann keine Japaner, sondern ein Klassik- und Operettenkonzert. Ich hatte schlichtweg die komplett falsche Mail überflogen. Aber es gibt keinen Abend, den ein gutes Glas Riesling nicht retten könnte.

Danke, Uli Lenz!

À propos Riesling. Am Mittelrhein sind wir durchaus verwöhnt. Während meiner Amtszeit durfte ich in den Genuss der größten Kostbarkeiten aus mittelrheinischen Weinkellern kommen. Besonders oft war ich dabei zu Gast bei den Loreley Winzern – und das lag sicherlich nicht nur an den tollen Weinen. Denn – und da bin ich mir sicher – um einen guten Wein zu erzeugen, muss man auch ein guter Mensch sein. Ich habe mich in Bornich stets willkommen gefühlt, was nicht zuletzt Friedel Becker, Uli und Annegret Lenz liegt. Erlauben Sie mir an dieser Stelle dann doch noch einen kleinen Moment des Wehmuts, denn ich kann schlichtweg nicht anders, als Uli Lenz an dieser Stelle einmal ganz besonders hervorzuheben. Lieber Uli, ich war nun schon die 16. verwirrte Blondine, die stets mit einem goldenen Kamm herumläuft, und nicht so recht weiß, was es bedeuten soll… Aber dafür hatte ich ja dich. Du warst immer an meiner Seite, hast meine Tasche getragen und Schirme gehalten, hast mir den Rücken gestärkt und mir immer ein Lächeln entlockt – und den Wein zu leeren, auch da war immer Verlass auf dich. Du bist als mein Mentor gestartet, aber für mich Familie geworden. Ich möchte dir danken, für die schöne gemeinsame Zeit, aber ganz sicher werde ich jetzt nicht weinen, denn auch wenn ich Abschied von meinem Amt nehme, sicher doch nicht von dir und Annegret – so schnell werdet ihr mich nicht mehr los!

Auf nach Südkorea

Wein gibt es übrigens auch in Südkorea. Jedoch ist, wie ich heute weiß, Wein nicht gleich Wein. Im Februar 2017 durfte ich an der Delegationsreise der VG Loreley zu der Partnerstadt Jeju in Südkorea teilnehmen. Dass dies unbestritten einer der Höhepunkte meiner Amtszeit oder wie eindrucksvoll Land und Menschen waren, möchte hier niemand hören, das können Sie sich alles denken. Ich sehe es in Ihren Gesichtern, Sie möchten lieber lachen. Also gut!

Als Loreley ist man in Südkorea buchstäblich der bunte Hund, lernen die Koreaner doch bereits in der Grundschule alles rund um den Mythos. So in etwa stelle ich mir einen Besuch beim Psychologen vor, wenn man dort sitzt, und das Gegenüber mehr über Sie weiß, als man selbst.

Nun, entsprechend hoch gestaltete sich die mir entgegengebrachte Aufmerksamkeit, sobald ich in mein Loreleykleid schlüpfte – was vor allem beim Essen problematisch wurde.

Zunächst einmal wird traditionell auf dem Boden sitzend gegessen. Nachdem ich die erste Hürde genommen und mein tüllunterfüttertes Kleid unter dem Tisch verstaut hatte, wartete bereits die nächste Herausforderung: Essen mit Stäbchen. Nach viertägigem Training war dies kein Problem mehr, doch gerade am ersten Abend mangelte es mir noch etwas an der nötigen Feinmotorik, und so war es mir am Ende des Abendessens lediglich gelungen, eine überschaubare Menge in meinen Magen zu befördern. Doch dann: die Rettung! Wer einen Wein wolle, wurde gefragt! Hier konnte ich auftrumpfen. „I love wine“, erklärte ich begeistert – drei Worte, die zu meinem Verhängnis werden sollten.

Andere Länder, andere Sitten – unter Wein verstanden unsere Gastgeber einen Weinbrand, und aufgrund meiner vorausgegangenen Begeisterung gab es bloß einen Weg: die Flucht nach vorne.

Sollten Sie also je in die Verlegenheit kommen, meine lieben Gäste, von einem Koreaner auf einen Wein eingeladen zu werden, dann können Sie hoffentlich gut mit Stäbchen essen und haben sich zuvor gut gestärkt – ich für meinen Teil konnte in dieser Nacht trotz der Zeitverschiebung hervorragend einschlafen.

Knochenjob

Sie merken also, dass das Amt der Loreley ein durchaus anspruchsvoller Job ist. Wie hart er tatsächlich ist, möchte ich Ihnen kurz vor Augen führen. Denn eines verrate ich Ihnen: Fotografen sind eine ganz besondere Art Mensch und haben immer fantastische Ideen – in meinem Fall, wo ich nicht überall für ein Foto mit meinen Pumps hinklettern könne.  Meine Höhenangst jedenfalls habe ich in diesem Amt ganz schnell verloren, und beinahe ebenso schnell meine ersten Loreleyschuhe, die wohl für sich selbst sprechen. [hier habe ich meine zerstörten Pumps präsentiert]

Ich spaße nur, denn als wirklich anstrengend habe ich mein Amt nie empfunden. Aber als Mittelrheinerin hat man es einfach an sich, nicht alles zu ernst zu nehmen, und eine Sache, die ich sicherlich aus meiner Amtszeit mitnehme, ist auch einmal herzlich über sich selbst zu lachen.

Auftritt im Radio

Dies war um ehrlich zu sein eine der allerersten Lektionen, die ich als frischgebackene Loreley lernte: Nämlich als der SWR mich aufforderte, das Loreleylied zu singen, immerhin hätten meine Vorgängerinnen – die wohlgemerkt zu zweit waren – dies auch getan. Ich könne wirklich nicht singen, wehrte ich ab, aber als mir dann die Frage entgegengebracht wurde, ob ich denn nicht textsicher sei – das müssen Sie sich mal vorstellen – konnte ich das selbstredend nicht auf mir sitzen lassen und trällerte zum Leidwesen aller Zuhörerinnen und Zuhörer los; ich bitte vielmals um Verzeihung! Ich muss so wahnsinnig gut gesungen haben, dass die Konkurrenz von RPR1, für die ich just fünf Minuten später ebenfalls singen durfte, sich dazu entschied, mein Ständchen lieber herauszuschneiden. Man hatte hier wohl etwas mehr Respekt vor etwaigen Schadensersatzansprüchen.

Hoher Besuch

Aber bevor sie jetzt denken, ich hätte nur Flausen im Kopf, möchte ich Ihnen doch schnell von einigen meiner ernsteren Höhepunkte im Amt der Loreley berichten. Als Loreley repräsentiert man gewissermaßen auch sein Heimatland Rheinland-Pfalz, was für mich eine absolute Ehre war. Denn eines müssen Sie über mich wissen: Ich bin absolute Herzblut-Rheinland-Pfälzerin und Lokalpatriotin.

Mein herzlicher Dank gilt daher allen voran Roger Lewentz und Günter Kern, die stets dafür gesorgt haben, dass die Region um die Loreley eine Rolle auf der rheinland-pfälzischen Bühne spielt. Und mehr noch: Dank den beiden Vertretern  des Mittelrheins in Mainz durfte ich im Jahre 2015 sogar ein Grußwort bei der Innenministerkonferenz sprechen und nur wenige Monate später unseren heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier auf meinem Amtssitz begrüßen, was unbestritten einige der besonders aufregenden Termine waren, die mir stark in Erinnerung geblieben sind.

Ganz so weit, wie der damalige Außenminister, kommt man als Loreley nicht herum, aber ein Grußwort auf Englisch oder Französisch war dann schon mal drin. Dies waren jedoch nicht die einzigen beiden Sprachen, in denen ich mich versucht habe. Wer mir noch aufmerksam zuhört, erinnert sich, dass ich zu Beginn etwas von Japanern erzählt habe, und hier liebe Gäste schließt sich der Kreis. Denn einen Termin mit unseren Freunden aus Ome durfte ich beim Partnerschaftstreffen in Boppard begleiten. Ich hatte mir hierzu überlegt, die Gäste mit einem „Herzlich willkommen Freunde!“ auf japanisch zu begrüßen – meiner nicht-vorhandenen Japanisch Kenntnisse zum Trotz. Im Gegensatz zu den französischen Gästen bin ich mir sicher, dass man mich hierbei nicht oder womöglich noch falsch verstanden hat, denn auf mein „WAS AUCH IMMER ICH TATSÄCHLICH GESAGT HABEN MAG“ folgte betretenes Schweigen.

Aber keine Sorge: Beim gemeinsamen Umtrunk im Anschluss hat man sich wieder bestens verstanden – der Weinbegriff in Japan scheint im Gegensatz zu dem der koreanischen Nachbarn zumindest derselbe wie in Deutschland zu sein!

Emanzipierte Repräsentantin

Mit einem Klischee möchte ich bei dieser Gelegenheit außerdem gleich aufräumen: Wer denkt, die Loreley sei eine schöne Frau gewesen, deren Leben sich bloß um Männer drehte, bzw. diese zu versenken, der hat weit gefehlt. Gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten des Rhein-Lahn-Kreises, Alice Behrweiler-Kaufmann habe ich viel über das Rollenbild von Repräsentantinnen gesprochen. Jährlich im Februar haben wir zusammen in Koblenz gegen Gewalt gegen Frauen demonstriert, im Kreishaus über Gleichstellung diskutiert, und und und. Liebe Alice, du machst einen tollen Job und ich hoffe, dass wir auch weiterhin eng in Kontakt bleiben werden, denn heute kann ich sagen, du bist zu einer echten Freundin geworden.

Jetzt ist meine Rede doch beinahe noch in eine richtige Abschiedsrede voll Dank und Wehmut ausgeartet.

Das war es jetzt aber wirklich, liebe Gäste. Ich hoffe, ich habe Ihre Geduld nicht überstrapaziert. Wenn ich heute auf drei Jahre Amtszeit zurückblicke, dann kann ich sagen, ich habe jeden Tag als Repräsentantin meiner geliebten Heimat genossen,  ich war stolz für meine Heimat zu werben und bin unglaublich dankbar um all die herzlichen Begegnungen, die tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte und die ich ins Herz geschlossen habe. Viele von euch sind heute hier.

Ihr seid es, die diese Zeit besonders geprägt haben, und die mir darüber hinaus erhalten bleiben, ich danke euch für all die schönen Momente!

Wer gut aufgepasst hat, der weiß, was jetzt noch fehlt: Ein zweites Zitat! Glücklicherweise gibt es viele schlaue Leute, die dichten und reimen, und zum Rhein oder der Loreley hat sich auch nahezu jeder namenhafte Dichter einmal ausgelassen. Aber um diese tolle Zeit abzuschließen, so kommt doch nur ein Vers so wirklich in Frage: „Ich weiß nicht was soll es bedeuten…“  Eines jedoch, das weiß ich genau: Ich bin ein Kind des Rheins, meine Wurzeln liegen hier und sicherlich auch meine Zukunft.

Vielleicht haben Sie es ja bemerkt: Ich rede gerne, aber noch lieber schreibe ich. Und ich habe einen Traum. Um ehrlich zu sein zwei. Neben der Tatsache, dass ich eines Tages unheimlich gerne auf der Loreley heiraten würde, möchte ich zu der Bundesgartenschau 2029 rückblickend gerne eine Rede über ein Tal schreiben können. Ein Tal, das sich 2015 auf den Weg gemacht hat, eine einmalig schöne BUGA 2029 auszurichten, aber sich über dieses eine Jahr hinaus für die Zukunft aufgestellt hat und Perspektiven bietet. Und vielleicht, liebe Gäste, gelingt dieser Traum. Nicht der erste, denn es ist Ihnen allen bestens bekannt, wie schlecht es für die Männer in der Loreleygeschichte endet…

Sondern der zweite Traum. Vielleicht hören Sie in elf Jahren eine Rede und denken an heute zurück, als wir hier auf der Loreley standen, an einer Baustelle, ganz am Anfang dieses Weges, und versprachen, alles für die Fortentwicklung dieser Region zu tun. Auch wenn ich heute den Kamm weitergebe, so werde ich, nie aufhören, mich für meine Heimat zu engagieren – schließlich gibt es bis zur BUGA 2029 noch einiges zu tun! Und nun freuen Sie sich mit mir auf meine Nachfolgerin, eine tolle, junge Dame, die es sicherlich kaum erwarten kann, vor ihr Publikum zu treten. Also lassen wir sie nicht länger warten. Mir bleibt nur eines zu sagen: Danke für alles!“

Zeit des Abschieds - traditionell wird der Kamm von Loreley zu Loreley weitergegeben. Alles Gute, liebe Tasmin!

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