Wunderland

Bürgermeister(in) gesucht: Ein Plädoyer für die Kommunalpolitik

Willst Du froh und glücklich leben,
lass kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab,
lehn‘ ein Ehrenamt bloß ab!

– Wilhelm Busch

Was ist dran?

Ich liebe es, morgens zu meinem ersten Kaffee die Seiten der Rhein-Lahn-Zeitung durchzublättern und das matte, raschelnde Papier in den Händen zu halten. Reden ist ohnehin nicht drin so früh; niemand sollte mich ansprechen, bevor die Tasse geleert ist. Zum Wachwerden ist die Zeitung also mein optimaler Wegbegleiter. Und je nachdem, was man da so liest, ist der Puls auch gleich hochgefahren – optimal.

Schlägt man am heutigen Morgen den Lokalteil auf, so liest man, dass sich in sechs Ortsgemeinden im Bereich meiner Verbandsgemeinde keine Kandidatin und kein Kandidat (im Folgenden ist mit der Verwendung der männlichen Form immer auch die weibliche gemeint) für das Amt des Ortsbürgermeisters gemeldet haben. Andernorts, dort wo sich noch Personen mit entsprechender Bereitschaft gefunden haben, sind die Kandidierenden meist fortgeschrittenen Alters, von der Verteilung auf die Geschlechter ganz zu schweigen (dem werde ich mindestens einen eigenen Artikel widmen). Dabei kann das Amt des Ortsbürgermeisters eine tolle, erfüllende Aufgabe sein und über diesen individuellen Benefit für die betreffende Person hinaus, ist dieses Amt auch für die Zukunft eines Ortes von nicht unerheblicher Bedeutung.

Da jedoch auch die Kommunalpolitik insgesamt vielerorts von einem akuten Personalmangel bedroht ist und ohnehin erhebliche Nachwuchsprobleme hat, ist es mir ein dringendes Bedürfnis, lieber heute als morgen über Probleme und Chancen des kommunalpolitischen Ehrenamts zu sprechen. Vielleicht erreiche ich ja auch ein paar jüngere Menschen, indem ich außerdem über meine Motivation, mit 23 Jahren eine Menge Zeit, Energie und nicht zuletzt einen erheblichen Teil meines Ausbildungsgehalts in mein Amt zu investieren, und mich mit Abwasserbeiträgen und Umlagen zu beschäftigen. Denn so viel sei vorweg gesagt: Kommunalpolitik ist mehr als das und meine Heimat, die Menschen, die hier leben, sind es wert.

Ehrenamtlicher Ortsbürgermeister – ein Full-Time Job?

Vom Weg ins Amt bis hin zum Wahltag fünf Jahre später: Was ehrenamtliche Orts- und Stadtbürgermeister – oftmals neben einer hauptberuflichen Tätigkeit – leisten, kommt nicht selten einem Full-Time Job nahe. Ratssitzungen, Bürgersprechstunden (samt Vor- und Nachbereitung), Ortstermine etc., sprich die ganze „nach außen“ sichtbare Arbeit, macht dabei nur einen Bruchteil der tatsächlichen Arbeitszeit aus. Unzählige Stunden vor dem Computer, Mails, Schriftverkehr, Telefonate – Arbeiten mit weniger Außenwirkung geraten für den objektiven Betrachter schnell in Vergessenheit.

Von der permanenten passiven Belastung, die das Amt mit sich bringt, sprich der enormen Verantwortung, die auf dem Amtsträger lastet, und den Sorgen, die sich ein gewissenhafter Bürgermeister wohl macht, ganz zu Schweigen. Ich denke da an den Ortsbürgermeister meiner Nachbargemeinde, in der gerade ein neues Gewerbegebiet entsteht. Wer einmal ein Haus gebaut hat, der weiß um den emotionalen Stress, der damit einhergeht. Wir können also davon ausgehen, dass ein solches Unterfangen dem Ortsbürgermeister das ein oder andere graue Haar beschert. Den George-Clooney-Look gibt es sicherlich auch leichter.

Sorgenkinder und Kritiker

Die Zeiten, in denen man unbeschwert durch den Ort spazierte, sind mit Ablauf des Wahltags ebenfalls passé. Auf dem Weg zum Bäcker (sofern es den im Ort noch gibt: Herzlichen Glückwunsch!) werden von nun an „Man müsste Mal…“ und „Könnte man nicht…“ fast ebenso hoch wie ein beschwingtes „Guten Morgen“ gehandelt. Die besorgte Bürgerschaft läuft wachen Auges durch ihre Heimat, und möchte, dass Probleme angegangen werden, was durchaus positiv ist. Aber viele machen hier keinen Unterschied, zwischen Werktag und Wochenende, Dienst- und Freizeit. Mit der Wahl ins Amt ist Bürger Max Mustermann zu einem Ortsbürgermeister mutiert. Und von diesem Amt gibt es de facto keinen Urlaub (Gibt es in Zeiten von Smartphone und Co. wirklich nur schwerlich.).

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Diese Bürger, die etwas voranbringen wollen, sind Gold wert. Politischer Streit ist der Grundpfeiler unserer Demokratie, und das auch auf kleinster Ebene, und konstruktive Kritik ist wichtig und gesund. Das Leben der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker macht ein anderer Schlag Mensch schwer: allseitsbeliebte Dauernörgler. Jene Menschen, die jede Entscheidung, jede Veränderung schlechtreden, noch bevor der Gedanke zu Ende gedacht oder gar ausgesprochen ist; die nur in Problemen und nicht in Lösungen denken. 

Kommunalpolitiker sind Menschen, die etwas im Ort voranbringen wollen, und ihre Freizeit zum Wohl der Ortsgemeinde beschneiden. Und bei dieser Arbeit unterlaufen zwangsläufig einmal Fehler – man kann eben nicht hobeln, ohne dass Späne fallen, und nur wer nichts macht, macht auch nichts falsch. Wer also keine Fehler (aber dafür auch sicherlich nicht alles richtig) machen will, der stülpt am besten eine Käseglocke über die Region, und lässt den Dingen ihren Lauf. Soll in Amerika in einigen Kommunen der Amischen alter Ordnung ja ganz gut klappen, die leben immerhin auch irgendwie. Selbstverständlich ist dies überspitzt, aber ich möchte klarmachen, dass es zwingend solcher Leute bedarf, die anpacken, und denen dabei auch Fehler unterlaufen. Wir sollten eine offene Fehlerkultur pflegen, konstruktiv Kritik üben und bei alledem den Ehrenamtlern mit Respekt begegnen.

Kommunalpolitiker sind (in der Regel) sicherlich keine Profilneutoriker. Wie groß sollte das zu stillende Ego bitte sein, das die enormen Freizeiteinbußen, den Energieaufwand und die Belastung insgesamt schultert nur um seiner selbst willen? Nein, sie sind größtenteils Optimisten, die bereit sind, für ihre Mitmenschen – denn nichts anderes als die Summe der Bürgerinnen und Bürger ist ein Ort – persönlich zurückzustecken. Und diese Opferbereitschaft verdient unabhängig von politischer Couleur Anerkennung. So wird zwar nicht zwangsläufig eine Person motiviert, ein Amt anzutreten, aber wenigstens nicht zusätzlich abgeschreckt. Wer tut sich dies, persönlichen Ärger neben den Belastungen des Amtes, sonst in Zukunft noch freiwillig an?

„Kommunalpolitik ist nicht sexy“

Darüber hinaus leidet die Kommunalpolitik (neben der Sache mit der Profilneurose) unter einem Imageproblem: Donnerstagabend, 19 Uhr, es folgt eine drei-stündige Diskussion über Straßenausbaubeiträge, über die Anhebung der Grundsteuer B und die Grünfläche am Friedhof könnte auch mal wieder gemäht werden. Ist dem so? Jein.

Sicherlich sind ein Großteil der kommunalen Selbstverwaltungsaufgaben solche, die Dinge des alltäglichen Lebens zum Gegenstand haben. Dinge, denen wir nur ein besonderes Augenmerk schenken, wenn sie nicht funktionieren, wie etwa Ver- und Entsorgung im Allgemeinen. Und Themen wie Grundsteuer sind ohnehin solche, die junge Menschen, die keinen Grund besitzen, nur peripher tangieren. Aber Kommunalpolitik ist eben nicht nur das; Themen wie Breitbandausbau, der öffentliche Personennahverkehr oder auch das gastronomische Angebot im Ort sind alles Dinge, die auch den Alltag junger Menschen berühren. Und es ist wichtig, dass junge Menschen an diesen Prozessen teilhaben, von denen sie betroffen sind, dass sie mitentscheiden, und nicht für bzw. über sich entscheiden lassen. Die Weichen, die heute gestellt werden, weisen den Weg in die Zukunft, die Zukunft ebendieser Personen. Aber Mitsprache gibt es nun einmal nicht umsonst, dazu bedarf es ehrenamtlichen Engagements, mit dem mehr oder minder große persönliche Einschränkungen einhergehen.

Darüberhinaus ist die Kommunalpolitik gerade in jungen Jahren eine tolle Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln: Man lernt, sich in fremde Themenkomplexe einzuarbeiten (kommunale Abgaben waren mir 2014 noch ein Fremdbegriff), man übt sich darin, eigene Argumente zu artikulieren, zu diskutieren und einen Kompromiss zu finden und außerdem sich selbst zu organisieren. Kommunalpolitik ist sehr „praktisch“, man ist ganz nah bei den Menschen und man spricht über sehr konkrete Vorhaben und nicht abstrakte gesetzliche Regelungen. Man gestaltet das Leben vor Ort mit, und im besten Fall begleitet man Prozesse, an deren Ende auch ein buchstäblich sichtbares Ergebnis steht. Und das ist schon ziemlich „cool“.

Im Anschluss an diesen Werbeblock für die Kommunalpolitik betrachten wir das Ganze noch einmal von der anderen Seite: Was tut Kommunalpolitik für die Ortsgemeinschaft, wie sähe es vor Ort aus, wenn sich keine Freiwilligen mehr für die Ämter fänden?

Es lebe der Pluralismus

Die Selbstverwaltung der Kommunen ist ein Gut, das durch unser Grundgesetz und die Landesverfassung garantiert wird. Diese mangels kommunaler Gremien der Verbandsgemeindeverwaltung zu übertragen, ist als ultima ratio nicht im Sinne der Mütter und Väter der Verfassung. Ohne kommunale Selbstverwaltungsorgane würden die Geschicke einem Mitarbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung übertragen; einer gelernten oder studierten Fachkraft, deren tägliches Geschäft die kommunale Verwaltung ist. Und genau das würde sie oder er tun: verwalten, und weniger gestalten. Ein mit dieser Aufgabe betrauter Mitarbeiter würde nur schwerlich die gleiche Euphorie wie ein ortsansässiger Bürgermeister aufbringen können.

Dies täte auch der Diversität, der Vielfalt der Kommunen einen Abbruch, denn gerade der verschiedenen Zusammensetzung der kommunalen Parlamente ist es oftmals „geschuldet“, dass Orte so unterschiedlich aussehen, wie sie es eben tun; dass bestimmte Schwerpunkte (um)gesetzt werden. Daher ist das kommunalpolitische Amt an sich absolut erhaltenswert und es ist insgesamt erstrebenswert, sich um Personen zu bemühen, die diese Aufgabe fortan wahrnehmen möchten.

Ehrenamt – Berechtigung und (moralische) Verpflichtung

Gemäß § 18 Abs. 1 GemO RLP sind Bürger einer Gemeinde berechtigt und verpflichtet, ein Ehrenamt auszuüben. Sicherlich, kann niemand gezwungen werden, ein Amt zu übernehmen – meiner Meinung nach besteht aber eine moralische Verpflichtung:  

Der Handlungsspielraum vieler Kommunen ist begrenzt, da diese alle größtenteils finanziell schlecht ausgestattet sind. Eine Kommune kann mich nicht für meinen Aufwand bezahlen. Gerade hier gewinnt das Ehrenamt ungemein an Bedeutung, denn nichts im Leben gibt es umsonst, auch nicht eine intakte Gemeinschaft, dafür muss ich etwas tun.

Der Mensch ist ein „Zoon politikon“, ein soziales Wesen. Als Bürger bin ich Teil einer Gemeinschaft, die nur funktioniert, wenn jeder seinen Teil erbringt. Leider sind es nicht selten die gleichen Personen, die sich engagieren; andere haben oftmals „keine Zeit“. In extremen Fällen mag dies sicherlich zutreffen, aber ansonsten ist es mit der Zeit immer so eine Sache – man muss sie sich nehmen.
Ich kann aber auch zum Eigenbrödler werden, und sagen, dass ich mit „alledem“ nichts am Hut haben möchte, dass nur zufällig mein Haus auf der Gemarkung des xy Ortes steht – es muss nun einmal irgendwo stehen. Dann habe ich aber auch – mit Verlaub – kein Recht dazu, mich zu echauffieren, wenn die örtliche Kirmes nicht mehr stattfindet, wenn der Karneval ausfällt, wenn ich nicht mehr Fußball spielen kann, weil es keinen Verein mehr gibt, und und und – wenn die Gemeinschaft stirbt. Denn sie lebt von jedem von uns, und so sollte ich nicht nur fragen, was kann der Ort für mich tun, sondern was kann ich für den Ort tun.

 

Für die nächsten Jahre wünsche ich mir, dass ein Umdenken stattfindet, dass Bürger und die hauptberufliche Verwaltung gemeinsam daran arbeiten, Bürgermeister und Ehrenamtler zu entlasten, sei es durch verstärkte, professionelle Unterstützung in Form eines Beauftragten bei den Verbandsgemeindeverwaltungen, der den (ungelernten) Ehrenamtlern zur Seite steht, Beauftragte für verschiedene Aufgaben innerhalb der Gemeinderäte, oder oder oder. Hier kreative Möglichkeiten zu entwickeln wird – sofern wir denn in fünf Jahren nicht noch mehr weiße Flecken in Sachen Bürgermeister haben wollen – die große Aufgabe der nächsten Jahre sein.

 

 

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Anhang: Optimistisch in die Zukunft – Meine persönliche Motivation

Was bewegt Menschen dazu, den ganzen, oben beschriebenen Aufwand zu betreiben, und auf einer Liste für ein kommunales Parlament zu kandidieren? Meiner Meinung nach: der innere, moralische Kompass und Pflichtbewusstsein; das unvergleichliche Gefühl, etwas zurückzugeben, etwas Gutes für meine Familie, meine Freunde, die Gemeinschaft zu tun, und  zu sehen, wie die eigenen Ideen Gestalt annehmen – nicht umsonst steht die Selbstverwirklichung an der Spitze der Maslowschen Bedürfnispyramide.

Ich bin 23 Jahre alt und habe den Vorsitz eines Gemeindeverbands inne (Verbandsgemeindeebene). Ich sitze im Gemeinderat und in einem Ausschuss auf VG-Ebene. Ich kandidiere am 26.05. für den Gemeinde-, Verbandsgemeinderat und den Kreistag. Daneben lade ich mit meinem Gemeindeverband zu zahlreichen Veranstaltungen ein, um von den Menschen aus erster Hand zu erfahren, was wir für sie tun können. In den letzten Wochen – Wahlkampfzeit – war die Schlagzahl an Terminen selbstredend ungleich höher. In meinem Alter hat man sicherlich genug andere Dinge als Kommunalpolitik im Kopf; ich muss meine Reisepläne an Parteitermine anpassen, komme später auf Geburtstagspartys und meine Netflix-Sonntage sind eine echte Rarität geworden. Es gibt auch Abende, an denen ich um 22 Uhr nach einem langen Arbeitstag von einer Sitzung nach Hause komme, an denen manchmal auch wenig zielführend diskutiert wurde. Und ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich mich dann nicht hin und wieder frage, wozu ich mir den Stress, die Mehrbelastung in meinem Alter antue.

Und nach einem schwachen Moment des Zweifels lautet meine Antwort dann stets: Weil ich von der Sache überzeugt bin. Und diese Sache ist die Zukunft unserer Region, der Lebensstandard der Menschen und ein Lebensgefühl Mittelrhein, das es weiterzuentwickeln, teils wiederzubeleben und zu verstärken gilt. Ich tue es aus dem gleichen Grund, aus dem ich Loreley geworden bin: Weil ich mich dieser Region verbunden fühle. Weil mir in meinem Leben so viel Gutes wiederfahren ist, und ich das starke Bedürfnis habe, etwas zurückzugeben. Aber sicherlich tue ich das Ganze nicht aus finanziellen Aspekten.

Ich wurde kürzlich gefragt, was „denn so in meinem Amt rumkommt“. Da muss ich nicht lange überlegen: 0,00 €. Ein bekannter Unternehmer hat einmal in einem Interview verraten, dass der einfachste Weg, um reich zu werden sei, die volle Kapazität der Freizeit für entgeltliche Arbeit zu nutzen, und dieses Geld sinnvoll anzulegen. Betrachte ich das letzte halbe Jahr, so habe ich durchschnittlich rund 10 Stunden pro Woche auf meine Ämter verwandt – einen großen Teil meiner Freizeit. Reich bin ich dadurch trotzdem nicht geworden, im Gegenteil, das Ehrenamt hat mich viel Geld gekostet. Wenn ich einen fiktiven Stundenlohn mit der Zeit, die mir für zusätzliche, entgeltliche Arbeit fehlt, zugrundelege, und die Kosten  für Sprit, meine Kandidatur und für Wahlkampffotos etc. hochrechne, kommt ein nicht unbeachtlicher Betrag X heraus. Hätte ich dieses Geld genutzt, und intelligent angelegt, so wäre wohl Zinzes-Zins sei Dank irgendwann eine nette Summe zustandegekommen.

Aber ich bin eben absolut keine Unternehmerin. Ich möchte ausreichend Geld zum Leben haben, mir einen gewissen Standard erlauben und dass es mir gut geht. Dass ich die Reisen unternehmen kann, die ich gerne machen möchte. Darüber hinaus will ich vor allem aber auch, dass es anderen gut geht, und solange ich es mir leisten kann, mein Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten, und zugleich mein Geld in mein Ehrenamt, anstelle von Vermögensanlagen zu investieren, werde ich dies tun – denn welche Investition ist besser als die in unsere Zukunft?

Ich danke meinen Eltern, dass ich mit alledem aufgewachsen bin: mit Engagement im Sportverein, mit dem Appel, immer ein wenig mehr zu geben, als man nimmt und auch einmal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Ich glaube, das hat meine Entwicklung nachhaltig geprägt und ist das Wichtigste, das ihr mir mit auf den Weg gegeben habt. <3
(Meinem Papa sei an dieser Stelle sogar die unverschämte Frage verziehen, wozu man denn so einen Hipster-Blog bräuchte;-). Weil es wichtige Themen anzusprechen gilt oder mindestens einfach nur, weil Lachen gesund ist.)

Dort leben, wo andere Urlaub machen. Unsere Heimat, und die Menschen sind es wert, sich für sie einzusetzen.
Dort leben, wo andere Urlaub machen. Meine Heimat und die Menschen sind es wert, sich für sie einzusetzen.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Hallo Theresa,
    du beschreibst die Problematik sehr anschaulich an praktischen Beispielen.
    Es ist genauso wie du sagst, das politische Ehrenamt erfordert sehr viel persönliches Engagement und zusätzlich hohen Zeitaufwand. Hinzu kommt, dass man heutzutage in einem Dorf fast keine Auszeit mehr hat. Die „Eingänge“ bzw. Arbeitsaufträge kommen mit dem Briefträger, elektronisch per Mail durch die Bürger, die Verbandsgemeinde, die Kreisverwaltung, die Vereine und Verbände und durch persönliche Gespräche mit dem Bürger – hier auch beim Spaziergang am Sonntagnachmittag. Zusätzlich sind die Sitzungen mit Vor- und Nacharbeiten und die ganzen Schreiben für die Presse zu bewältigen. Natürlich nimmt der Bürgermeister auch an allen Mitgliederversammlungen und Aktivitäten der Vereine im Dorf teil.
    Ich bewundere die Leute, die diese Verpflichtungen neben einem Vollzeitjob gestemmt bekommen.
    Dass es so schwer ist Menschen für Ehrenämter zu finden liegt m.E. zusätzlich noch an der erforderlichen Flexibilität in der Arbeitswelt, im Studium/Ausbildung und der Organisation der Familie. Wer dann noch sportlich bzw. vereinsaktiv ist hat doch kaum Freizeit. Die Unterstützung seitens der Politik hält sich auch in Grenzen – es ist ein Kampf gegen Windmühlen, wenn man etwas für sein Dorf bewegen will. Ich vergleiche das gerne mit einem Hindernismarathon – hier geht einem dann irgendwann die Luft aus. Es gibt schon viele engagierte Menschen die gerne Aufgaben für das Gemeinwohl übernehmen, aber nicht einen zweiten Job annehmen wollen. Das weist du aus deinem Umfeld.
    Du engagierst dich in unserem Dorf und in der Region und das finde ich toll. Deine Freundlichkeit weis zu gewinnen und du bist authentisch – das kommt an. Ich hoffe für unser Dorf, dass du noch lange hier wohnen bleibst und weiterhin mit viel Herzblut für uns bei der Sache bist. Vielleich gewinnst du sogar noch ein paar junge Menschen dazu. Jedoch habe ich auch Verständnis, wenn du irgendwann mehr Zeit für deine privaten Interessen benötigst und diese dann auch in Anspruch nimmst.
    Dir persönlich viel Erfolg – beruflich, privat und „ehrenamtlich“.
    Mögen viele deiner Wünsche und Pläne in Erfüllung gehen.
    Beste Grüße
    Dieter Roos

  2. Toll geschrieben, mit persönlicher Note, was man von unseren Politikern selten erfährt, da oft in einem atemlosen Zug die Politparolen (das haben wir alles gemacht, das haben wir noch vor) heruntergeleiert werden. Ich wünsche viel Ausdauer und Freude an den neuen Aufgaben, sich nicht irgendwann resignierend in dieser Endlosschleife von Politikerpräsentationen auf unseren ländlichen Festivitäten und Wahlkampfaktivitäten, deren Wahlversprechen dann zum x-ten Mal nicht umgesetzt werden, wieder zu finden.
    Und sie reden, und sie reden, und sie reden … singt eine Hip Hop Gruppe. Dieses alles Zerreden ohne wesentliche Unsetzung sind Fakten, die sich durch die Politik, unser Geschäftsleben, in den mittlerweile abendfüllenden Talkshows im TV ziehen.
    Ein großes Lob zu ihrem Engagement und ich wünsche Ihnen, dass Sie einige Ziele von Ihren Vorhaben umsetzen können und als noch junger Mensch viele junge Mitstreiter gewinnen können.

    1. Liebe Klaudia,
      ganz herzichen Dank für den Kommentar! Das motiviert zum Weitermachen, sowohl was das Politische, als auch das Schreiben angeht. Ich stimme grundsätzlich zu, aber gehe noch weiter: nicht nur Politiker, sondern die Bürger im Allgemeinen müssten mehr machen anstatt zu meckern. Ehrenamtler, zu denen ja auch die Kommunalpolitiker zählen, tun dies (größtenteils), aber auch hier gibt es sicherlich einige schwarze Schafe. Ich würde mir wirklich wünschen, dass ein paar mehr junge Menschen hier teilhaben und eine Art Schneeball-Effekt entsteht.

      Liebe Grüße „von unten“ vom Rhein
      Theresa

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