Wunderland

Bürgermeister(in) gesucht: Ein Plädoyer für die Kommunalpolitik

Willst Du froh und glücklich leben,
lass kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab,
lehn‘ ein Ehrenamt bloß ab!

– Wilhelm Busch

Was ist dran?

Ich liebe es, morgens zu meinem ersten Kaffee die Seiten der Rhein-Lahn-Zeitung durchzublättern und das matte, raschelnde Papier in den Händen zu halten. Reden ist ohnehin nicht drin so früh; niemand sollte mich ansprechen, bevor die Tasse geleert ist. Zum Wachwerden ist die Zeitung also mein optimaler Wegbegleiter. Und je nachdem, was man da so liest, ist der Puls auch gleich hochgefahren – optimal.

Schlägt man am heutigen Morgen den Lokalteil auf, so liest man, dass sich in sechs Ortsgemeinden im Bereich meiner Verbandsgemeinde keine Kandidatin und kein Kandidat (im Folgenden ist mit der Verwendung der männlichen Form immer auch die weibliche gemeint) für das Amt des Ortsbürgermeisters gemeldet haben. Andernorts, dort wo sich noch Personen mit entsprechender Bereitschaft gefunden haben, sind die Kandidierenden meist fortgeschrittenen Alters, von der Verteilung auf die Geschlechter ganz zu schweigen (dem werde ich mindestens einen eigenen Artikel widmen). Dabei kann das Amt des Ortsbürgermeisters eine tolle, erfüllende Aufgabe sein und über diesen individuellen Benefit für die betreffende Person hinaus, ist dieses Amt auch für die Zukunft eines Ortes von nicht unerheblicher Bedeutung.

Da jedoch auch die Kommunalpolitik insgesamt vielerorts von einem akuten Personalmangel bedroht ist und ohnehin erhebliche Nachwuchsprobleme hat, ist es mir ein dringendes Bedürfnis, lieber heute als morgen über Probleme und Chancen des kommunalpolitischen Ehrenamts zu sprechen. Vielleicht erreiche ich ja auch ein paar jüngere Menschen, indem ich außerdem über meine Motivation, mit 23 Jahren eine Menge Zeit, Energie und nicht zuletzt einen erheblichen Teil meines Ausbildungsgehalts in mein Amt zu investieren, und mich mit Abwasserbeiträgen und Umlagen zu beschäftigen. Denn so viel sei vorweg gesagt: Kommunalpolitik ist mehr als das und meine Heimat, die Menschen, die hier leben, sind es wert.

Ehrenamtlicher Ortsbürgermeister – ein Full-Time Job?

Vom Weg ins Amt bis hin zum Wahltag fünf Jahre später: Was ehrenamtliche Orts- und Stadtbürgermeister – oftmals neben einer hauptberuflichen Tätigkeit – leisten, kommt nicht selten einem Full-Time Job nahe. Ratssitzungen, Bürgersprechstunden (samt Vor- und Nachbereitung), Ortstermine etc., sprich die ganze „nach außen“ sichtbare Arbeit, macht dabei nur einen Bruchteil der tatsächlichen Arbeitszeit aus. Unzählige Stunden vor dem Computer, Mails, Schriftverkehr, Telefonate – Arbeiten mit weniger Außenwirkung geraten für den objektiven Betrachter schnell in Vergessenheit.

Von der permanenten passiven Belastung, die das Amt mit sich bringt, sprich der enormen Verantwortung, die auf dem Amtsträger lastet, und den Sorgen, die sich ein gewissenhafter Bürgermeister wohl macht, ganz zu Schweigen. Ich denke da an den Ortsbürgermeister meiner Nachbargemeinde, in der gerade ein neues Gewerbegebiet entsteht. Wer einmal ein Haus gebaut hat, der weiß um den emotionalen Stress, der damit einhergeht. Wir können also davon ausgehen, dass ein solches Unterfangen dem Ortsbürgermeister das ein oder andere graue Haar beschert. Den George-Clooney-Look gibt es sicherlich auch leichter.

Sorgenkinder und Kritiker

Die Zeiten, in denen man unbeschwert durch den Ort spazierte, sind mit Ablauf des Wahltags ebenfalls passé. Auf dem Weg zum Bäcker (sofern es den im Ort noch gibt: Herzlichen Glückwunsch!) werden von nun an „Man müsste Mal…“ und „Könnte man nicht…“ fast ebenso hoch wie ein beschwingtes „Guten Morgen“ gehandelt. Die besorgte Bürgerschaft läuft wachen Auges durch ihre Heimat, und möchte, dass Probleme angegangen werden, was durchaus positiv ist. Aber viele machen hier keinen Unterschied, zwischen Werktag und Wochenende, Dienst- und Freizeit. Mit der Wahl ins Amt ist Bürger Max Mustermann zu einem Ortsbürgermeister mutiert. Und von diesem Amt gibt es de facto keinen Urlaub (Gibt es in Zeiten von Smartphone und Co. wirklich nur schwerlich.).

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Diese Bürger, die etwas voranbringen wollen, sind Gold wert. Politischer Streit ist der Grundpfeiler unserer Demokratie, und das auch auf kleinster Ebene, und konstruktive Kritik ist wichtig und gesund. Das Leben der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker macht ein anderer Schlag Mensch schwer: allseitsbeliebte Dauernörgler. Jene Menschen, die jede Entscheidung, jede Veränderung schlechtreden, noch bevor der Gedanke zu Ende gedacht oder gar ausgesprochen ist; die nur in Problemen und nicht in Lösungen denken. 

Kommunalpolitiker sind Menschen, die etwas im Ort voranbringen wollen, und ihre Freizeit zum Wohl der Ortsgemeinde beschneiden. Und bei dieser Arbeit unterlaufen zwangsläufig einmal Fehler – man kann eben nicht hobeln, ohne dass Späne fallen, und nur wer nichts macht, macht auch nichts falsch. Wer also keine Fehler (aber dafür auch sicherlich nicht alles richtig) machen will, der stülpt am besten eine Käseglocke über die Region, und lässt den Dingen ihren Lauf. Soll in Amerika in einigen Kommunen der Amischen alter Ordnung ja ganz gut klappen, die leben immerhin auch irgendwie. Selbstverständlich ist dies überspitzt, aber ich möchte klarmachen, dass es zwingend solcher Leute bedarf, die anpacken, und denen dabei auch Fehler unterlaufen. Wir sollten eine offene Fehlerkultur pflegen, konstruktiv Kritik üben und bei alledem den Ehrenamtlern mit Respekt begegnen.

Kommunalpolitiker sind (in der Regel) sicherlich keine Profilneutoriker. Wie groß sollte das zu stillende Ego bitte sein, das die enormen Freizeiteinbußen, den Energieaufwand und die Belastung insgesamt schultert nur um seiner selbst willen? Nein, sie sind größtenteils Optimisten, die bereit sind, für ihre Mitmenschen – denn nichts anderes als die Summe der Bürgerinnen und Bürger ist ein Ort – persönlich zurückzustecken. Und diese Opferbereitschaft verdient unabhängig von politischer Couleur Anerkennung. So wird zwar nicht zwangsläufig eine Person motiviert, ein Amt anzutreten, aber wenigstens nicht zusätzlich abgeschreckt. Wer tut sich dies, persönlichen Ärger neben den Belastungen des Amtes, sonst in Zukunft noch freiwillig an?

„Kommunalpolitik ist nicht sexy“

Darüber hinaus leidet die Kommunalpolitik (neben der Sache mit der Profilneurose) unter einem Imageproblem: Donnerstagabend, 19 Uhr, es folgt eine drei-stündige Diskussion über Straßenausbaubeiträge, über die Anhebung der Grundsteuer B und die Grünfläche am Friedhof könnte auch mal wieder gemäht werden. Ist dem so? Jein.

Sicherlich sind ein Großteil der kommunalen Selbstverwaltungsaufgaben solche, die Dinge des alltäglichen Lebens zum Gegenstand haben. Dinge, denen wir nur ein besonderes Augenmerk schenken, wenn sie nicht funktionieren, wie etwa Ver- und Entsorgung im Allgemeinen. Und Themen wie Grundsteuer sind ohnehin solche, die junge Menschen, die keinen Grund besitzen, nur peripher tangieren. Aber Kommunalpolitik ist eben nicht nur das; Themen wie Breitbandausbau, der öffentliche Personennahverkehr oder auch das gastronomische Angebot im Ort sind alles Dinge, die auch den Alltag junger Menschen berühren. Und es ist wichtig, dass junge Menschen an diesen Prozessen teilhaben, von denen sie betroffen sind, dass sie mitentscheiden, und nicht für bzw. über sich entscheiden lassen. Die Weichen, die heute gestellt werden, weisen den Weg in die Zukunft, die Zukunft ebendieser Personen. Aber Mitsprache gibt es nun einmal nicht umsonst, dazu bedarf es ehrenamtlichen Engagements, mit dem mehr oder minder große persönliche Einschränkungen einhergehen.

Darüberhinaus ist die Kommunalpolitik gerade in jungen Jahren eine tolle Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln: Man lernt, sich in fremde Themenkomplexe einzuarbeiten (kommunale Abgaben waren mir 2014 noch ein Fremdbegriff), man übt sich darin, eigene Argumente zu artikulieren, zu diskutieren und einen Kompromiss zu finden und außerdem sich selbst zu organisieren. Kommunalpolitik ist sehr „praktisch“, man ist ganz nah bei den Menschen und man spricht über sehr konkrete Vorhaben und nicht abstrakte gesetzliche Regelungen. Man gestaltet das Leben vor Ort mit, und im besten Fall begleitet man Prozesse, an deren Ende auch ein buchstäblich sichtbares Ergebnis steht. Und das ist schon ziemlich „cool“.

Im Anschluss an diesen Werbeblock für die Kommunalpolitik betrachten wir das Ganze noch einmal von der anderen Seite: Was tut Kommunalpolitik für die Ortsgemeinschaft, wie sähe es vor Ort aus, wenn sich keine Freiwilligen mehr für die Ämter fänden?

Es lebe der Pluralismus

Die Selbstverwaltung der Kommunen ist ein Gut, das durch unser Grundgesetz und die Landesverfassung garantiert wird. Diese mangels kommunaler Gremien der Verbandsgemeindeverwaltung zu übertragen, ist als ultima ratio nicht im Sinne der Mütter und Väter der Verfassung. Ohne kommunale Selbstverwaltungsorgane würden die Geschicke einem Mitarbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung übertragen; einer gelernten oder studierten Fachkraft, deren tägliches Geschäft die kommunale Verwaltung ist. Und genau das würde sie oder er tun: verwalten, und weniger gestalten. Ein mit dieser Aufgabe betrauter Mitarbeiter würde nur schwerlich die gleiche Euphorie wie ein ortsansässiger Bürgermeister aufbringen können.

Dies täte auch der Diversität, der Vielfalt der Kommunen einen Abbruch, denn gerade der verschiedenen Zusammensetzung der kommunalen Parlamente ist es oftmals „geschuldet“, dass Orte so unterschiedlich aussehen, wie sie es eben tun; dass bestimmte Schwerpunkte (um)gesetzt werden. Daher ist das kommunalpolitische Amt an sich absolut erhaltenswert und es ist insgesamt erstrebenswert, sich um Personen zu bemühen, die diese Aufgabe fortan wahrnehmen möchten.

Ehrenamt – Berechtigung und (moralische) Verpflichtung

Gemäß § 18 Abs. 1 GemO RLP sind Bürger einer Gemeinde berechtigt und verpflichtet, ein Ehrenamt auszuüben. Sicherlich, kann niemand gezwungen werden, ein Amt zu übernehmen – meiner Meinung nach besteht aber eine moralische Verpflichtung:  

Der Handlungsspielraum vieler Kommunen ist begrenzt, da diese alle größtenteils finanziell schlecht ausgestattet sind. Eine Kommune kann mich nicht für meinen Aufwand bezahlen. Gerade hier gewinnt das Ehrenamt ungemein an Bedeutung, denn nichts im Leben gibt es umsonst, auch nicht eine intakte Gemeinschaft, dafür muss ich etwas tun.

Der Mensch ist ein „Zoon politikon“, ein soziales Wesen. Als Bürger bin ich Teil einer Gemeinschaft, die nur funktioniert, wenn jeder seinen Teil erbringt. Leider sind es nicht selten die gleichen Personen, die sich engagieren; andere haben oftmals „keine Zeit“. In extremen Fällen mag dies sicherlich zutreffen, aber ansonsten ist es mit der Zeit immer so eine Sache – man muss sie sich nehmen.
Ich kann aber auch zum Eigenbrödler werden, und sagen, dass ich mit „alledem“ nichts am Hut haben möchte, dass nur zufällig mein Haus auf der Gemarkung des xy Ortes steht – es muss nun einmal irgendwo stehen. Dann habe ich aber auch – mit Verlaub – kein Recht dazu, mich zu echauffieren, wenn die örtliche Kirmes nicht mehr stattfindet, wenn der Karneval ausfällt, wenn ich nicht mehr Fußball spielen kann, weil es keinen Verein mehr gibt, und und und – wenn die Gemeinschaft stirbt. Denn sie lebt von jedem von uns, und so sollte ich nicht nur fragen, was kann der Ort für mich tun, sondern was kann ich für den Ort tun.

 

Für die nächsten Jahre wünsche ich mir, dass ein Umdenken stattfindet, dass Bürger und die hauptberufliche Verwaltung gemeinsam daran arbeiten, Bürgermeister und Ehrenamtler zu entlasten, sei es durch verstärkte, professionelle Unterstützung in Form eines Beauftragten bei den Verbandsgemeindeverwaltungen, der den (ungelernten) Ehrenamtlern zur Seite steht, Beauftragte für verschiedene Aufgaben innerhalb der Gemeinderäte, oder oder oder. Hier kreative Möglichkeiten zu entwickeln wird – sofern wir denn in fünf Jahren nicht noch mehr weiße Flecken in Sachen Bürgermeister haben wollen – die große Aufgabe der nächsten Jahre sein.

 

 

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Anhang: Optimistisch in die Zukunft – Meine persönliche Motivation

Was bewegt Menschen dazu, den ganzen, oben beschriebenen Aufwand zu betreiben, und auf einer Liste für ein kommunales Parlament zu kandidieren? Meiner Meinung nach: der innere, moralische Kompass und Pflichtbewusstsein; das unvergleichliche Gefühl, etwas zurückzugeben, etwas Gutes für meine Familie, meine Freunde, die Gemeinschaft zu tun, und  zu sehen, wie die eigenen Ideen Gestalt annehmen – nicht umsonst steht die Selbstverwirklichung an der Spitze der Maslowschen Bedürfnispyramide.

Ich bin 23 Jahre alt und habe den Vorsitz eines Gemeindeverbands inne (Verbandsgemeindeebene). Ich sitze im Gemeinderat und in einem Ausschuss auf VG-Ebene. Ich kandidiere am 26.05. für den Gemeinde-, Verbandsgemeinderat und den Kreistag. Daneben lade ich mit meinem Gemeindeverband zu zahlreichen Veranstaltungen ein, um von den Menschen aus erster Hand zu erfahren, was wir für sie tun können. In den letzten Wochen – Wahlkampfzeit – war die Schlagzahl an Terminen selbstredend ungleich höher. In meinem Alter hat man sicherlich genug andere Dinge als Kommunalpolitik im Kopf; ich muss meine Reisepläne an Parteitermine anpassen, komme später auf Geburtstagspartys und meine Netflix-Sonntage sind eine echte Rarität geworden. Es gibt auch Abende, an denen ich um 22 Uhr nach einem langen Arbeitstag von einer Sitzung nach Hause komme, an denen manchmal auch wenig zielführend diskutiert wurde. Und ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich mich dann nicht hin und wieder frage, wozu ich mir den Stress, die Mehrbelastung in meinem Alter antue.

Und nach einem schwachen Moment des Zweifels lautet meine Antwort dann stets: Weil ich von der Sache überzeugt bin. Und diese Sache ist die Zukunft unserer Region, der Lebensstandard der Menschen und ein Lebensgefühl Mittelrhein, das es weiterzuentwickeln, teils wiederzubeleben und zu verstärken gilt. Ich tue es aus dem gleichen Grund, aus dem ich Loreley geworden bin: Weil ich mich dieser Region verbunden fühle. Weil mir in meinem Leben so viel Gutes wiederfahren ist, und ich das starke Bedürfnis habe, etwas zurückzugeben. Aber sicherlich tue ich das Ganze nicht aus finanziellen Aspekten.

Ich wurde kürzlich gefragt, was „denn so in meinem Amt rumkommt“. Da muss ich nicht lange überlegen: 0,00 €. Ein bekannter Unternehmer hat einmal in einem Interview verraten, dass der einfachste Weg, um reich zu werden sei, die volle Kapazität der Freizeit für entgeltliche Arbeit zu nutzen, und dieses Geld sinnvoll anzulegen. Betrachte ich das letzte halbe Jahr, so habe ich durchschnittlich rund 10 Stunden pro Woche auf meine Ämter verwandt – einen großen Teil meiner Freizeit. Reich bin ich dadurch trotzdem nicht geworden, im Gegenteil, das Ehrenamt hat mich viel Geld gekostet. Wenn ich einen fiktiven Stundenlohn mit der Zeit, die mir für zusätzliche, entgeltliche Arbeit fehlt, zugrundelege, und die Kosten  für Sprit, meine Kandidatur und für Wahlkampffotos etc. hochrechne, kommt ein nicht unbeachtlicher Betrag X heraus. Hätte ich dieses Geld genutzt, und intelligent angelegt, so wäre wohl Zinzes-Zins sei Dank irgendwann eine nette Summe zustandegekommen.

Aber ich bin eben absolut keine Unternehmerin. Ich möchte ausreichend Geld zum Leben haben, mir einen gewissen Standard erlauben und dass es mir gut geht. Dass ich die Reisen unternehmen kann, die ich gerne machen möchte. Darüber hinaus will ich vor allem aber auch, dass es anderen gut geht, und solange ich es mir leisten kann, mein Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten, und zugleich mein Geld in mein Ehrenamt, anstelle von Vermögensanlagen zu investieren, werde ich dies tun – denn welche Investition ist besser als die in unsere Zukunft?

Ich danke meinen Eltern, dass ich mit alledem aufgewachsen bin: mit Engagement im Sportverein, mit dem Appel, immer ein wenig mehr zu geben, als man nimmt und auch einmal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Ich glaube, das hat meine Entwicklung nachhaltig geprägt und ist das Wichtigste, das ihr mir mit auf den Weg gegeben habt. <3
(Meinem Papa sei an dieser Stelle sogar die unverschämte Frage verziehen, wozu man denn so einen Hipster-Blog bräuchte;-). Weil es wichtige Themen anzusprechen gilt oder mindestens einfach nur, weil Lachen gesund ist.)

Dort leben, wo andere Urlaub machen. Unsere Heimat, und die Menschen sind es wert, sich für sie einzusetzen.
Dort leben, wo andere Urlaub machen. Meine Heimat und die Menschen sind es wert, sich für sie einzusetzen. Living where others go on vacation. My homeland and the people are worth it to stand up for them.

Mayor wanted: A Plea for local Politics

I love to leaf through the pages of the daily newspaper and hold the matt, rustling paper in my hands for my first coffee in the morning. Talking isn’t so early anyway; nobody should talk to me before the cup is emptied. So the newspaper is my ideal companion for waking up. And depending on what you’re reading, your pulse is also immediately raised – optimal.

If one opens the local section this morning, one reads that in six local congregations in the area no candidate has registered for the office of local mayor. Elsewhere, where there are still people who are willing to do so, the candidates are mostly of advanced age, not to mention the gender distribution (I will dedicate at least one article to this). The office of the local mayor can be a great, fulfilling task and beyond this individual benefit for the person concerned, this office is also for the future of a place of not insignificant importance.

Since, however, local politics as a whole is threatened by an acute shortage of personnel in many places and has considerable problems with finding willing young people anyway, it is an urgent need for me to talk about the problems and opportunities of the local political honorary office today rather than tomorrow. Perhaps I can reach out to a few younger people by also using my motivation to invest a lot of time, energy and, last but not least, a considerable part of my training salary in my office at the age of 23, and to deal with wastewater contributions and allocations. Because let me say this much in advance: Local politics is more than that and my home, the people who live here, are worth it.

Honorary local Mayor – a Full-Time Job?

 From the way to the office up to the election day five years later: Which honorary local and city mayors – often apart from a full-time activity – carry out, does not come rarely close to a Full Time job. Council meetings, citizen consulting hours (including preparation and the work after), etc., so to say the whole outwardly visible work, constitute thereby only a fraction of the actual working time. Countless hours in front of the computer, e-mails, correspondence, telephone calls – work with less external impact is quickly forgotten by the objective observer.

Not to mention the permanent passive stress that the office entails, i.e. the enormous responsibility that rests on the public official, and the worries that a conscientious mayor may well have. I am thinking here of the local mayor of my neighbouring municipality, where a new industrial estate is currently being built. Anyone who has ever built a house knows about the emotional stress that goes with it. We can therefore assume that such an undertaking will give the local mayor one or two grey hairs. The George Clooney look is certainly available easier.

Problem Children and Critics

 The times when one walked through the village without any worries are also passé at the end of the election day. On the way to the bakery (if there still is one in the village: Congratulations!) from now on „You would have to do…“ and „Couldn’t you…“ are traded almost as high as a lively „Good morning“. The concerned citizenry runs with awake eyes through their homeland, and wants problems to be tackled, which is quite positive. But many make no difference here, between working days and weekends, work and leisure time. With the election to the office, our citizen Max Mustermann mutated to a local mayor. And there is de facto no vacation from this office (hardly any in times of smartphones and Co.).

So that we do not get ourselves wrong: These citizens who want to make progress are worth their weight in gold. Political conflict is the cornerstone of our democracy, even on the smallest level, and constructive criticism is important and healthy. The lives of volunteer local politicians are made difficult by another blow: the ever-popular permanent troublemaker. Those people who denigrate every decision, every change, even before the idea has been thought through to an end or even expressed; who think only in terms of problems and not in terms of solutions.

 Local politicians are people who want to make a difference in their local community and cut back their leisure time for the good of the local community. And this work inevitably makes mistakes – you can’t plan without shavings falling, and only those who don’t do anything don’t do anything wrong. So if you don’t want to make any mistakes (which sure doesn’t mean you will make everything right), it’s best to lock up the whole region and to let things run their course. In some communities of the old Amish order in America they are supposed to work out quite well, after all they live somehow. Of course, this is exaggerated, but I would like to make clear that it is absolutely necessary to have such people, who tackle, and who also make mistakes. We should cultivate an open culture of error, be constructive in our criticism and treat volunteers with respect.

Local politicians are (as a rule) certainly not profile neuroscientists. How big should the ego to be breastfed  be, which should shoulder the enormous leisure time losses, the energy expenditure and the burden only for its own sake? No, for the most part they are optimists who are prepared to put back their personal lives for their fellow human beings – for nothing other than the sum of their citizens is a place. And this willingness to make sacrifices deserves recognition regardless of political colour. It does not necessarily motivate a person to take office, but at least it does not deter them. Who does this, personal annoyance beside the burdens of the office, otherwise in the future still voluntarily?

„Local politics isn’t sexy“

In addition, local politics suffers from an image problem (in addition to the profile neurosis issue): Thursday evening, 7 p.m., a three-hour discussion about road construction contributions follows, about the increase of the property tax B and the green area at the cemetery could be mowed again. Is that so? Yes and no.

 Surely a large part of the local self-administration tasks are such, which have things of the everyday life as the object. Things that we only pay special attention to when they do not work, such as supply and disposal in general. And issues such as property tax are in any case those that only affect young people who have no reason to do so peripherally. But local politics is not just that; topics such as broadband expansion, local public transport or the gastronomic offer in the town are all things that also affect the everyday life of young people. And it is important that young people participate in these processes that affect them, that they participate in decisions and do not allow themselves to be decided for or over themselves. The course set today points the way to the future, the future of these very people. But there is no such thing as a free voice, which requires volunteer work that goes hand in hand with more or less severe personal restrictions.

In addition, local politics is a great opportunity for personal development, especially at a young age: One learns to familiarise oneself with foreign issues (municipal taxes were still a foreign concept to me in 2014), one practices articulating one’s own arguments, discussing and finding a compromise and also organising oneself. Local politics is very „practical“, you are very close to the people and you talk about very concrete projects and not abstract legal regulations. You help to shape life on the ground, and in the best case you accompany processes that lead to a literally visible result. And that’s pretty cool.

After this advertising block for local politics, we look at the whole thing from the other side: What does local politics do for the local community, what would it look like locally if no more volunteers were to be found for the offices?

Praise the Pluralism

Local self-government is an asset guaranteed by our Basic Law and the State Constitution. To delegate this to the administration of the association’s municipalities in the absence of local bodies is not the ultima ratio in the sense of the mothers and fathers of the constitution. Without local self-government bodies, the fate would be transferred to an employee of the association’s municipal administration; a skilled or studied specialist whose daily business is municipal administration. And that’s exactly what he or she would do: administer, and less shape. An employee entrusted with this task would hardly be able to muster the same euphoria as a local mayor.

This would also be end to diversity, to the diversity of the municipalities, because it is precisely the different composition of the municipal parliaments that often „owes“ it that places look as different as they do; that certain focal points are (re)implemented. This is why the local political office itself is absolutely worth preserving and it is generally worth striving for people who want to take on this task from now on.

Honorary Office – Authority and (moral) Obligation

According to § 18 Abs. 1 GemO RLP citizens of a municipality are entitled and obliged to exercise a honorary office. Certainly, no one can be forced to take office – but in my opinion there is a moral obligation: 

The room for manoeuvre of many municipalities is limited, as most of them are poorly equipped financially. A municipality cannot pay me for my efforts. Especially here the honorary office gains tremendously in importance, because there is nothing in life for free, not even an intact community, for that I have to do something.

Humans are a „zoon politikon“, a social being. As a citizen, I am part of a community that only functions if everyone plays his part. Unfortunately, it is not rare for the same people to get involved; others often have „no time“. In extreme cases this may certainly be true, but otherwise it’s always such a thing over time – you have to take it consciously.

But I can also become a loner, and say that I don’t want to have anything to do with „all that“, that my house just happens to be on the boundary of the xy-place – it has to be somewhere. But then I have no right – if you will pardon my saying so – to get upset when the local fair no longer takes place, when the carnival is cancelled, when I can no longer play football because there is no club anymore, and and and and and – when the community dies. Because it lives from each of us, and so I should not only ask what the place can do for me, but what I can do for the place.

 For the next few years, I hope that there will be a change in thinking, that citizens and the full-time administration will work together to relieve mayors and volunteers, be it through increased, professional support in the form of a representative at the association’s municipal administrations, who stands by the (unskilled) volunteers, representatives for various tasks within the municipal councils, or or or or. Developing creative possibilities here will be the big task of the next few years – as long as we don’t want to have more white spots in terms of mayors in five years‘ time.

 

Appendix: Optimistic into the Future – My personal Motivation

 What motivates people to make all the effort described above and to run for a municipal parliament on a list? In my opinion: the inner, moral compass and sense of duty; the incomparable feeling of giving something back, of doing something good for my family, my friends, the community, and seeing my own ideas take shape – it is not for nothing that self-realization is at the top of Maslow’s pyramid of needs.

 I am 23 years old and candidate for an political office. I sit on the local council and on a committee at regional level. On 26.05. I will run for the parish council, the association council and the district council. In addition, I invite my parish association to numerous events in order to find out first-hand from the people what we can do for them. In the last weeks – election campaign time – the number of appointments was of course much higher. At my age one certainly has enough other things in mind than local politics; I have to adapt my travel plans to appointments of my party, I come late for birthday parties and my Netflix Sundays have become a real rarity. There are also evenings when I come home from a meeting at 10 p.m. after a long day’s work, when there was sometimes a long discussion with less solution about what to do. And I would lie if I said that I don’t ask myself now and then why I am doing myself the stress, the extra burden at my age.

And after a weak moment of doubt, my answer is always: Because I am convinced of the matter. And this thing is the future of our region, the standard of living of the people and a Mittelrhein lifestyle that needs to be further developed, partly revived and strengthened. I do it for the same reason that I became Loreley: Because I feel connected to this region. Because so much good has happened to me in my life, and I have a strong need to give something back. But I certainly don’t do it for financial reasons.

I was recently asked what „is going on in my office“. I don’t have to think long: 0,00 €. A well-known entrepreneur once revealed in an interview that the easiest way to get rich is to use the full capacity of leisure time for paid work and to invest this money sensibly. If I consider the last half year, then I used on the average approximately 10 hours per week on my offices – a large part of my spare time. Nevertheless I didn’t get rich, on the contrary, the voluntary work cost me a lot of money. If I take a fictitious hourly wage as a basis with the time I lack for additional, paid work, and extrapolate the costs for fuel, my candidacy and for election campaign photos etc., a not inconsiderable amount X comes out. If I had used this money and invested it intelligently, thanks to compound interest, a nice sum would have come about at some point.

 But I am absolutely not an entrepreneur. I want to have enough money to live on, allow myself a certain standard and that I am well. That I can undertake the journeys I would like to make. But above all, I also want others to do well, and as long as I can afford to live my life the way I want and invest my money in my voluntary work instead of investing in assets, I will do so – because which investment is better than investing in our future?

 I thank my parents that I grew up with all this: with commitment in the sports club, with the appeal to always give a little more than one takes and to look beyond one’s own nose. I believe this has had a lasting impact on my development and is the most important thing you have given me. <3

(My dad is forgiven at this point even for asking me the impertinent question why you need such a hipster blog;-). Because it is important to address important topics or at least simply because laughing is healthy.)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Toll geschrieben, mit persönlicher Note, was man von unseren Politikern selten erfährt, da oft in einem atemlosen Zug die Politparolen (das haben wir alles gemacht, das haben wir noch vor) heruntergeleiert werden. Ich wünsche viel Ausdauer und Freude an den neuen Aufgaben, sich nicht irgendwann resignierend in dieser Endlosschleife von Politikerpräsentationen auf unseren ländlichen Festivitäten und Wahlkampfaktivitäten, deren Wahlversprechen dann zum x-ten Mal nicht umgesetzt werden, wieder zu finden.
    Und sie reden, und sie reden, und sie reden … singt eine Hip Hop Gruppe. Dieses alles Zerreden ohne wesentliche Unsetzung sind Fakten, die sich durch die Politik, unser Geschäftsleben, in den mittlerweile abendfüllenden Talkshows im TV ziehen.
    Ein großes Lob zu ihrem Engagement und ich wünsche Ihnen, dass Sie einige Ziele von Ihren Vorhaben umsetzen können und als noch junger Mensch viele junge Mitstreiter gewinnen können.

    1. Liebe Klaudia,
      ganz herzichen Dank für den Kommentar! Das motiviert zum Weitermachen, sowohl was das Politische, als auch das Schreiben angeht. Ich stimme grundsätzlich zu, aber gehe noch weiter: nicht nur Politiker, sondern die Bürger im Allgemeinen müssten mehr machen anstatt zu meckern. Ehrenamtler, zu denen ja auch die Kommunalpolitiker zählen, tun dies (größtenteils), aber auch hier gibt es sicherlich einige schwarze Schafe. Ich würde mir wirklich wünschen, dass ein paar mehr junge Menschen hier teilhaben und eine Art Schneeball-Effekt entsteht.

      Liebe Grüße „von unten“ vom Rhein
      Theresa

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