Wunderland

Mamma mia – mir fehlen die Worte!

Haben Sie einmal versucht, einen Text über Ihre eigene Mutter zu verfassen? Ich verspreche Ihnen, die letzte Klausur im Gefahrenabwehrrecht war ein Selbstläufer verglichen hierzu. Mütter sind ganz besondere Frauen, denen wir alles, aber auch wirklich alles, verdanken. Wie bitte soll man einem solchen Menschen gerecht werden? Den wir zu allem Überdruss auch noch durch eine rosarote Brille sehen? Ich werde versuchen, an der Brille vorbeizuluken (ablegen ist wohl nicht möglich), und ein paar Worte über die Frau zu verlieren, die mir so uglaublich viel bedeutet – denn es ist schließlich ihr Geburtstag!

„Hast du Zahnschmerzen? Du hast irgendwie Hamsterbacken.“ Eine Frage, die mir meine Mutter just vor zwei Wochen ganz beiläufig stellte, als ich gerade auf dem Weg zur Tür raus war. Gerade so, als habe sie etwas über das schöne Wetter gesagt. Samthandschuhe umfasst das Inventar des Hauses Lambrich wirklich nicht, liebe Leserschaft.

Meine Mama ist sicherlich weder perfekt, noch ist sie die „beste Mutter der Welt“. Und dies nicht wegen etwaiger Bemerkungen über die Backen von Hamstern, sondern allein deshalb, weil es diese Frau, die perfekte Mutter, ebenso wenig gibt wie die andere Frau, die „beste Mutter der Welt“. Relativ gesehen wird dies nämlich für die meisten Menschen die eigene Mutter sein. Zudem habe ich vor einigen Beiträgen erst den Superlativen abgeschworen, und will daher die ganze Chose differenzierter betrachten; ich will sagen, dass meine Mama nicht perfekt ist, aber schon ziemlich nah hieran kommt. Dass sie für mich, sprich für eine Tochter wie mich, die beste Mutter ist, die ich mir hätte vorstellen und wünschen können. Sie ist meine schärfste Kritikerin (wie sie regelmäßig beweist) und zugleich meine stärkste Unterstützerin.

Der geborene Zwilling

Sicherlich ist sie jetzt überrascht, wenn sie diesen Beitrag liest, wurde er „an ihr vorbei geschrieben“. Denn Birgit Lambrich ist oberste Lektorin im Wunderland, und dabei für ihre scharfe Zunge äußerst geschätzt. „Das klingt kacke.“ „Das kannst du so nicht schreiben.“ „Du alte Klugscheißerin.“ Ja, meine Mama ist mir gegenüber eine sehr ehrliche Frau, eine Eigenschaft, für die ich sie sehr schätze. Aber unsere Beziehung ist wesentlich liebevoller, als sie nun vielleicht klingen mag. Nur bei all der Liebe ist Mama vor allem eines: Eine Perfektionistin.

Und das ging schon mit ihrer Geburt los: Das Licht der Welt erblickte sie nämlich am 06.06.66. Birgit Lambrich ist also ein geborener Zwilling, das Sternzeichen der zwei Gesichter. Wie treffend. Denn neben dieser fast schon schmerzhaften Direktheit mir gegenüber, hat sie ihre Rolle als Mutter mit einer unvergleichbaren Hingabe ausgeübt, war unglaublich nachsichtig und opferbereit. Ist dies heute noch, sodass sie selbst oftmals zu kurz zu kommen droht. Mama würde niemals nach dem letzten Stück Pizza greifen, mir dafür aber im gleichen Atemzug ebenso davon abraten – das Kleid sollte man dann doch vielleicht eine Nummer größer kaufen… Dieses Bild ist absolut bezeichnend für ihre Janusköpfigkeit!

Motivation in Person

Wenn ich heute gefragt werde, woher ich die Energie und Motivation für mein Ehrenamt, das Engagement und nicht zuletzt diesen Blog beziehe, so ist die Antwort komplex und vielschichtig. Der Ursprung jedoch ist leichter gefunden: meine Mama. Mama war die erste Person, die mich motiviert hat, im Kindergarten an Malwettbewerben teilzunehmen, die meine Kreativität förderte, und mich – damals noch durch die Blume – zugleich darauf hinwies, das Bild für ihr Büro besser noch einmal neu zu malen („Das kannst du doch NOCH schöner.“). Mama – selbst eine eher ruhige, zurückhaltende Person – hat von mir immer gefordert, alles zu (hinter)fragen, was ich denn wissen wollte, sie hat meine Neugier geschürt, die heute für mich als (Hobby-)Journalistin unerlässlich ist. Mama hat mir Disziplin und Durchhaltevermögen vorgelebt und anerzogen, sie hat mit ihrem liebevollen „stell dich nicht so an“ mein Stressempfinden sehr abgestumpft. Sie hat mir beigebracht, mich zu wehren, auch wenn sie selbst oft nur allzu schnell in die Abwehrhaltung geht, denn insgeheim will sie, dass ich es besser als sie mache. Und nicht zuletzt hat Mama mich immer wieder motiviert zu schreiben, ohne dabei jemals zuzugeben, dass ihr mein Stil tatsächlich sehr gefällt. Sie hat in meinen selbstzweifelnden Momenten die Kritik beiseitegelassen und mein Selbstbewusstsein gestärkt. Mama – habe ich dir eigentlich irgendwann einmal für das alles gedankt?

Meine misophonische Mutter

Aber sie kann auch anders: Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass ein Facebook-Meme mir einmal eine solche Einsicht verschaffen würde, aber in Bezug auf meine Mutter ist dies tatsächlich geschehen: Ein Meme hat mich über die Krankheit „Misophonie“ (verminderte Geräuschtoleranz) unterrichtet, die definitiv meine Mutter befallen hat! Ich scherze nicht, Birgit Lambrich ist wirklich nicht nur absolut überempfindlich, was gewisse Geräusche – nämlich Kau- und Essgeräusche und manchmal selbst das Atmen – angeht, sie empfindet regelrechten Hass hiergegen, was nicht gut mit meiner Vorliebe für Salzbrezeln einhergeht. Sobald ich die Tüte aufreiße dröhnt aus dem Nebenraum ein „Kau leise!“ – es ist mir immer wieder ein Rätsel, wie sie das hören kann. Einmal habe ich es gewagt, auf dem Sofa neben ihr Gummibären zu essen, was rückblickend betrachtet sehr fahrlässig war. Um weiteren Schaden zu vermeiden ist sie wutentbrannt aufgesprungen und aus dem Zimmer gestürmt. Ich sage ja, nahezu perfekt.

Aber es sind genau diese kleinen oder auch großen Macken, die ich an ihr liebe. Es sind all die gemeinsamen Frühstücke, bei denen du, Mama, und mein Bruder sich regelmäßig über meine Wortwahl mokieren (<-hier habt ihr wieder was zu lachen), wenn ich ein Wort verwende, das ihr nicht kennt (kauft euch einen DUDEN!). Es sind die Momente, in denen du wieder irgendein blödes Vorurteil in den Raum wirfst, weil du genau weißt, wie allergisch ich hierauf reagiere, nur um mich auf die Palme zu bringen. Wenn du mir wieder erklärst, dass „ich am besten alleine bleibe – die armen Männer“, zugleich aber aus purer Panik, auf Enkelkinder verzichten zu müssen, versuchst, mir diverse Optionen schmackhaft zu machen und beklagst, ich solle nicht so wählerisch sein. Wenn du meine Einwände und Kritik an deinem Verhalten abtust, insgeheim aber doch berücksichtigst. Und wenn du meine Texte liest, dir ein Lächeln über das Gesicht huscht, du aber nie zugeben würdest, wie gut sie dir gefallen. 

Liebe Mama, heute ist dein Geburtstag. Und ich weiß genau, dass dir schon nach dem zweiten Absatz die Tränen geräuschlos über die Wangen gelaufen sind und du versuchst, möglich leise zu weinen, damit es niemand merkt. Und jetzt lachst du wahrscheinlich, verfluchst mich und sagst vor deinem Laptop wortwörtlich „Du dumme Nuss!“ Erwischt? Erwischt! Ich weiß, dass du mich trotzdem liebst, und wie schwer es für dich ist, dass ich aktuell nicht da bin. Aber ich komme zurück, das ist eine Drohung! Und ich werde dir noch oft die Gelegenheit geben, mich als „dumme Nuss“ zu beschimpfen. Ebenso wie die Gelegenheit, mir zu empfehlen, das Kleid eine Nummer größer zu kaufen, oder mich auf meine Pausbäckchen anzusprechen. Im Übrigen wollte ich dir mitteilen, dass du Schuld daran hast, dass ich so „komisch und übermotiviert“ (Zitat meines Bruders) bin. Laut einer Studie werden Intelligenz und Kreativität mütterlicherseits vererbt – dieser Blog ist also auf deinem Mist gewachsen.

Das Allerletzte

Vor zwei Jahren wurde mir mal gesagt, dass ich haargenau spräche wie du. Bis dahin habe ich tatsächlich gedacht, dass wir uns in unseren Wesen sehr unterscheiden und uns daher so gut ergänzen. Heute erkenne ich, dass ich dir wohl doch ähnlicher bin, als ich dachte. Zum Glück. Ich habe keine Worte dafür, was du mir bedeutest. Und ich hoffe, eines Tages meiner Tochter eine ebenso gute Mutter zu sein (falls ich denn doch noch heirate, auf der Loreley ;-)). Du hast mit mir sicherlich einiges mitgemacht, und nicht alles, aber vieles, was mich heute ausmacht, verdanke ich dir. Ich glaube, das habe ich dir nie so gesagt. Jetzt, wo ich in einem fremden Land gänzlich auf mich alleine gestellt bin, merke ich erstmalig, dass ich niemanden sonst wirklich brauche – aber wie sehr ich dich, euch drei, um mich haben will. Auch wenn du mich zu einer starken Frau erzogen hast, würde ich nie auf dich (und deine meist schlauen Ratschläge) verzichten wollen. Happy Birthday et à très bientôt! Je t’aime.

Old but gold - ihr fehlt mir, meine Brownies! <3

Mamma mia – I don’t have the words!

Have you ever tried to write a text about your own mother? I promise you, the last exam in „hazard-prevention-law“ was a fast-selling item compared to this. Mothers are very special women to whom we owe everything, but really everything. How can one please do justice to such a person? Which, to make matters worse, we also see through rose-coloured glasses? I will try to get past the glasses (it is probably not possible to take them off) and to say a few words about the woman who means so much to me – because it is her birthday!

„Do you have toothache? You somehow have hamster cheeks.“ A question that my mother asked me casually just two weeks ago when I was on my way out the door. Just as if she had said something about the beautiful weather. The inventory of the Lambrich-House really doesn’t include velvet gloves, dear readers.

My mother is certainly neither perfect nor the „best mother in the world“. And this not because of any remarks about hamster cheeks, but simply because there isn’t this woman, the perfect mother, as little as there is the other woman, the „best mother in the world“. Relatively speaking, for most people this will be their own mother. Moreover, I have sworn off superlatives before some contributions, and therefore want to look at the whole thing in a more differentiated way; I want to say that my mother is not perfect, but already comes quite close to it. That for me, a daughter like me, she is the best mother I could have imagined and wished for. She is my sharpest critic (as she regularly proves) and at the same time my strongest supporter.

The born Gemini/Twin

Surely she is now surprised when she reads this post, it was „written past her“. Because Birgit Lambrich is the top editor in Wunderland, and is highly appreciated for her sharp tongue. „That sounds shitty.“ „You can’t write that like that.“ „You old wiseass.“ Yes, my mother is a very honest woman to me, a quality for which I value her very much. But our relationship is much more loving than it might sound. Only that besides all that love, my mother is  above all one thing: A perfectionist.

And that already started with her birth: She saw the light of day on 06.06.66. Birgit Lambrich is a born Gemini, the star sign of the two faces. How suiting. Because besides this almost painful directness towards me, she played her role as a mother with an incomparable devotion, was incredibly indulgent and willing to sacrifice. Still is today, so that she often threatens to miss out herself. My mum would never reach for the last piece of pizza, but in the same breath she would advise me also against it – „maybe you should buy the dress one size bigger“… This picture is absolutely characteristic of her janiform, the two faces!

Motivation in Person

When I am asked today, where I get the energy and motivation for my voluntary work, my commitment and last but not least this blog from, the answer is complex and multilayered. But the origin is easier to find: my mum. Mum was the first person who motivated me to take part in painting competitions in kindergarten, which encouraged my creativity, and at the same time pointed out to me – at that time still in a roundabout way – that it was better to repaint the picture for her office new („You can do that EVEN better.“). Mum – herself a rather calm, reserved person – has always asked me to ask everything I wanted to know, she has aroused my curiosity, which is indispensable for me today as a (parttime) journalist. Mum has shown me discipline and stamina and taught me how to do things, she has blunted my sense of stress with her affectionate „no time for complaining, go to work“. She taught me how to defend myself, even if she herself often goes all too quickly into the defensive posture, because secretly she wants me to do better than her. And last but not least, Mama has always motivated me to write, without ever admitting that she really likes my style. In my self-doubting moments she left aside the criticism and strengthened my self-confidence. Mum – did I ever thank you for all this?

My misophonic Mother

But she can also do it differently: I didn’t think it was possible that a Facebook Meme would give me such an insight one day, but with regard to my mother this actually happened: A meme informed me about the disease „misophony“ (reduced noise tolerance) that definitely affected my mother! I’m not kidding, Birgit Lambrich is not only absolutely hypersensitive to certain noises – chewing and eating noises and sometimes even breathing – she feels real hatred for them, which doesn’t go well with my preference for crisps. As soon as I rip the bag open, a „chew quietly“ roars out of the next room – it’s always a mystery to me how she can hear that. Once I dared to eat on the sofa next to her crisps, which in retrospect was very negligent. To avoid further damage she jumped up in rage and stormed out of the room. I said so, almost perfect.

But it’s exactly these little or big quirks that I love about her. It’s all the joint breakfasts where you, Mum, and my brother regularly mock my choice of words (<-you’ve got something to laugh about again), when I use a word you don’t know (Go get yourself a dictionary, crétins!). It’s the moments when you float some stupid prejudice just because you know exactly how allergic I am to this and just to get me mad. When you explain to me again that „I’m better staying alone, not hurting anyone – the poor men“, but at the same time out of pure panic not to have grandchildren, try to make various options palatable to me and complain that I shouldn’t be so choosy. If you dismiss my objections and criticism of your behavior, but secretly take them into account. And if you read my essays, there is a smile flitting over your face, but you would never admit how much you like them.

Dear Mum, today it is your birthday. And I know for a fact that already after the second paragraph tears were running silently down your cheeks and you were trying to cry as quietly as possible so that nobody would notice. And now you’re probably laughing, cursing me and literally saying „You stupid nut!“ in front of your laptop. Caught? Caught! I know that you still love me, and how hard it is for you that I’m not there right now. But I will often give you the opportunity to call me a „stupid nut“, it’s a promise. As well as the opportunity to recommend me to buy the dress one size bigger, or to talk to me about my hamster cheeks. By the way, I wanted to tell you that you are to blame for me being so „strange and overmotivated“ (quote from my brother). According to a study, intelligence and creativity are inherited on the mother’s side – so this blog has grown on your crap.

The very last

Two years ago, I was once told that I was talking exactly the way you do. Until then I actually thought that we are very different in our beings and therefore complement each other so well. Today I realize that I am more like you than I thought. Fortunately. I have no words for what you mean to me. And I hope one day to be an equally good mother to my daughter (if I do get married, on the Loreley ;-)). You certainly went through a lot with me, and not everything, but a lot of what makes me today, I owe to you. I think I never said that to you like that. Even if you raised me to be a strong woman, I would never want to do without you (and your mostly clever advice). Happy Birthday et à bientôt! Je t’aime.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Hatte vorher leider keine Zeit Deine Berichte zu lesen, sind richtig gut.

  2. Schöner Text, kann ich alles nur so bestätigen😊 Alles alles Liebe zum Geburtstag Mama, du bist die Beste ❤️

  3. Liebe Theresa
    Ich hab dich auch lieb und ich kann mir keine bessere Tochter vorstellen als dich.
    Aber du kennst mich doch nicht so gut, es hat nicht bis zum zweiten Absatz gedauert,bis ich geheult habe 🙂 🙂
    Und ich hätte den Artikel doch besser vorher lesen sollen, hab ein paar Fehler gefunden 🙂 🙂 🙂
    Und mit den Männern das wird mit dem Alter auch einfacher (hoffe ich jedenfalls).
    Genieß die Zeit in Paris und bleib so wie du bist.
    Bis bald
    Hdl

    1. Ach Mama, genau wegen solcher Kommentare liebe ich dich! 😛 <3

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